Reisen wie 1947
Die Freude der Bremer Straßenbahn e.V. und die BSAG restaurierten einen historischen Straßenbahnwagen der Nachkriegsjahre Der Straßenbahntriebwagen Nr. 701 wurde 1947 bei der Bremer Dock- und Maschinenbaugesellschaft, der späteren "AG Weser" gebaut. Er verkörpert den Straßenbahnverkehr der Nachkriegsjahre und des frühen "Wirtschaftswunders" Rechtzeitig zum 125. Geburtstag der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) haben die Freunde der Bremer Straßenbahn e.V. und die Werkstätten der BSAG den historischen Straßen-bahntriebwagen 701, Baujahr 1947 restauriert. Er wird nicht nur das geplante Fahrzeugkorso zum Jubiläum der BSAG bereichern, sondern auch für die historischen Straßenbahnlinien 9 und 15 sowie für Sonderfahrten wieder zur Verfügung stehen. Auf harten Holzbänken aus Latten kann man wie in den ersten Nachkriegsjahren stilecht durch Bremen reisen und der Schaffner ruft wie einst: "Noch jemand ohne Fahrschein?".
Die Restaurierung des Wagens 701
Während der rund sechsmonatigen Restaurierung haben die Beteiligten den Wagenkasten, die Inneneinrichtung, das Fahrgestell und die Motoren sowie die gesamte Elektrik gründlich überholt. Der Wagen verfügt über mechanische und elektrische Kupplungen, um einen späteren Betrieb mit Beiwagen zu ermöglichen.
Die Arbeiten wurden ganz überwiegend von den gewerblichen Auszubildenden der BSAG unter Anleitung von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BSAG-Werkstätten sowie von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern der Freunde der Bremer Straßenbahn e.V. ausgeführt. Da teilweise technische Unterlagen fehlten, erforderte die Aufarbeitung des historischen Wagens in hohem Maße Handarbeit und Improvisationstalent. So galt es z.B. die elektrische Verkabelung des Wagens zu planen, einzubauen, auf ihre Betriebstauglichkeit hin zu überprüfen und
die gesetzlichen Vorschriften dabei einzuhalten. Manches mußte anhand alter Fotos rekonstruiert werden, so z.B. die Holzverkleidungen im Fahrgastraum.
Hierdurch konnten die Auszubildenden der BSAG eine ganze Menge zusätzlicher Erfahrungen sammeln. Mit dem handwerklichen, technischen und historischen Wissen und das hohe Engagement aller Beteiligten gelang es, die "alte Lady" pünktlich zum BSAG-Jubiläum wieder flott zu machen.
Ein Stück Bremer Geschichte: Triebwagen 701
Der Triebwagen 701 wurde 1947 von der Bremer Dock- und Maschinenbaugesellschaft - der späteren Schiffsbauwerft AG Weser - gebaut. Es ist der Beginn des Wiederaufbaus, als noch Provisorien herhalten mußten und Ersatzteile aus den im Krieg beschädigten Straßenbahnen ausgebaut wurden.
Für die total zerstörten Wagen brauchte die BSAG dringend Ersatz, so daß man für die Konstruktion der neuen Serie Pläne der bis 1942 beschafften sog. Lindnerwagen (nach der Herstellerfirma) zugrunde legte. Dabei handelte es sich um zweiachsige Fahrzeuge, in denen auch Teile ausgebombter Fahrzeuge zum Einbau kamen, mit einfacher Technik und einfacher Innenausstattung. Bot etwa die Bremer Straßenbahn AG in einigen Fahrzeugen vor dem Zweiten Weltkrieg den Fahrgästen bereits gepolsterte Sitze (so z.B. auch im Museumstriebwagen Nr. 134), wurden in den Nachkriegsfahrzeugen wieder Holzbänke aus Lattenholz eingebaut. Aber zunächst einmal ging es nicht um Komfort, sondern die Straßenbahn mußte vorrangig die Fahrgastmassen befördern.
Der Triebwagen 701 wurde 1947 fertiggestellt und erhielt im Gegensatz zu seinem Vorgänger (Wagen 700) ein neues Fahrgestell. Bis 1949 folgten noch 23 weitere gleichartige Trieb- und 25 Anhänger (Nr. 700 - 724 bzw. 1700 - 1724). 1954 baute die Bremer Straßenbahn AG sogar noch Fahrzeuge in Eigenregie nach. Sie kamen zusammen mit älteren Bahnen u.a. auf den Linien 2, 3, 4, 6, 7 und 10 sowie zuletzt auf der Hafenbahnlinie 11 (Gröpelingen - Klöckner Werke) bis 1970 zum Einsatz. Dabei konnten Züge bestehend aus einem Trieb- und zwei Beiwagen gebildet werden. Anschließend dienten einige von ihnen noch als Arbeitswagen, so z.B. bis noch vor einigen Jahren der Schienenschleifwagen (ex 722). Als letzter seiner Art findet der Eingleis- und Gerätewagen (Baujahr 1954; ex Wagen 651) heute noch Verwendung. Triebwagen Nr. 701, vorübergehend als Nr. 886 bezeichnet, diente bis 1985 in Gröpelingen als Rangiertriebwagen zum Wenden der Drehgestelle der neueren Wagen und wurde dann in Sebaldsbrück abgestellt.
"Jetzt bereichert er die Flotte der aktiven Museumswagen und wird sich sicher schnell großer Beliebtheit erfreuen", so Georg Drechsler, Vorstandsvorsitzender der BSAG.
"Die Premiere wird er beim 125. Jubiläum unserer Gesellschaft Ende März 2001 haben. Unter dem Motto: Eine Reise durch die Zeit' wird er dann Bestandteil eines in 2001 geplanten Fahrzeugkorsos durch Bremen sein."
"Mit dem Wagen 701 können die Bremerinnen und Bremer ein lebendiges Stück Straßenbahngeschichte erfahren. Wir werden ihn wie die anderen historischen Wagen regelmäßig auf unseren Ringlinien einsetzen. Wie in den Nachkriegsjahren und den frühen Wirtschaftswunderjahren kann man dann durch Bremen reisen", so Bernd Kindereit von den Freunden der Bremer Straßenbahn e.V.
Triebwagen 701 - das Wagen-ABC
Achsen 2 Anhänger Es konnten bis zu zwei Beiwagen befördert werden (Dreiwagenzüge) Baujahr 1947 Breite 2,20 m Eigengewicht 12,2 to (Wagenkasten 5,8 to) Einsatz bis ca. 1953/54 auf der Linie 2, ab 1955 Linie 4 (Depot Buntentor), später Linie 3, ab ca. 1963 Linien 6 und 7, 1965 Einbau von Entwertern (Einmannbetrieb), bis 1970 Linie 11 Gröpelingen - Klöckner Werke, bis 1985 Arbeitswagen, anschließend im Betriebshof Sebaldsbrück abgestellt.
Künftiger Einsatz auf den Museumslinien. Fahrmotoren 2 (AEG USL 333a) Fahrschalter 2 (Knorr VNFB 2.87) Hersteller Bremer Dock- und Maschinenbaugesellschaft (später AG Weser) Höhe 3,20 m Länge 10,86 m Leistung 120 kW (163 PS) Restaurierung Anfang 2001 abgeschlossen Sitzplätze 24 Typ T2c Wagennummer 701, dann 886, heute wieder 701
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