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Geschichte und Archiv > Heiteres und Besinnliches: Geschichten von der Straßenbahn

16. Mai 2012

Geschichten von der Pusdorfer Straßenbahnlinie 7

  • Foto links: Straßenbahnbetriebshof Woltmershausen (Woltmershauser Straße gegenüber vom Friedhof).
  • Mitte: Während der Hauptverkehrszeiten fuhr die Linie 7 mit zwei Beiwagen; Endstelle Rablinghausen (Bakeweg).
  • Foto 3: Fahrer und Schaffner im Straßenbahndepot Woltmershausen.
  • Foto ganz unten: Linie 7 in der Hemmstraße (Findorff)

 

Ab 24. Oktober 1903 fuhr die Straßenbahn in Woltmershausen bis zur Dötlinger Straße




 

Bilder von der Linie 7

Foto von der ehemaligen Linie 7
Die Straßenbahnlinie 7 etwa 1965 in der Woltmershauser Straße, Haltestelle Huder Straße. Dieser Streckenabschnitt wurde 1903 eröffnet.
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Mit der Straßenbahnlinie 7 nach Woltmershausen


Der Stadtteil Woltmershausen - in Bremen besser als Pusdorf bekannt - wird heute von der BSAG-Buslinie 24 erschlossen. Bis Mitte 1965 pendelte jedoch die Straßenbahnlinie 7 zwischen Rablinghausen und Findorff.

Erste Strecken eines innerstädtischen Schienennetzes waren in Bremen ab 1876 durch die Pferdebahn entstanden, so z. B. ab 1889 die Pferdebahn vom Markt über Langenstraße und Kaiserbrücke zum Hohentor. 1892 folgte die Elektrifizierung.

Die wachsende Bebauung und Industrialisierung der Vorstädte Bremens erforderte den Ausbau des Straßenbahnnetzes. Schrittweise wurde die rot-grüne Linie (ab 1908 Linie 7) bis Rablinghausen verlängert: 1901 zur Rose-Mühle (Zwischenahner Straße), 1903 bis Deichschart (Dötlinger Straße), 1909 zur Stromer Straße und 1933 zum Bakeweg. Weitere geplante Erweiterungen z. B. zum Dorf Lankenau oder in den 60er Jahren zum Neustädter Hafen, unterblieben.

Galt die Woltmershauser Linie anfangs als Strecke von zweifelhafter Rentabilität, entwickelte sich das Verkehrsaufkommen gut. Die wachsende Bebauung, der Berufsverkehr z. B. zur Tabakwarenfabrik Brinkmann und Ausflugsziele an der Weser sorgten für gut besetzte Züge. 1908 wurde gegenüber dem Woltmershauser Friedhof das Straßenbahndepot eröffnet.

Die Linie 7 wechselte im Laufe der Jahrzehnte häufiger ihre Streckenführung, bediente jedoch stets Woltmershausen.

Bis 1952 war in Schwachhausen (Hartwigstraße) die zweite Endstelle (heute Linien 5 und 8), anschließend in Findorff (Hemmstraße).

Waren ursprünglich noch Modernisierung und Erweiterung ein Ziel bremischer Verkehrspolitik, kam 1965 das "Aus" für die Linie 7. Am 30. Mai befuhr sie zum letzten Mal ihre Strecke von Rablinghausen über Hohentor, Westerstraße, Markt, Hauptbahnhof, Breitenweg ins Findorffviertel. Busse der Linien 24 und 25 lösten die Bahn ab.


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Geschichte und Geschichten


Auf der "7" existierte im Vergleich zu anderen Linien zwischen den Fahrgästen und dem Personal ein besonders persönliches Verhältnis, berichten ältere Pusdorfer. Meistens wurde plattdeutsch gesprochen und man kannte sich.

Einige Fahrer, Schaffner und Fahrgäste waren als "Originale" in Bremen bekannt, z. B. ein Kollege, der beim Rangieren an der Endstelle seinen Blatt-Tabak auf die Schienen legte und, nachdem die Räder mehrmals darüber hinweggerollt waren, den Grob- bzw. Feinschnitt in die Pfeife stopfte.

Ein Bauer fuhr mit seinem Pferdefuhrwerk auf den Schienen und behinderte somit die Weiterfahrt der Straßenbahn. "Können Sie nicht mal eben von den Schienen fahren?" "Ich schon, aber Du nicht!", gab dieser zur Antwort.

Besonders aufwendig waren die Rangiermanöver vor dem Woltmershauser Depot, wenn Züge mit Anhängern verstärkt oder Beiwagen abgekuppelt und ins Depot rangiert wurden. Als Hauptlinie fuhren die Triebwagen der "7" mit bis zu zwei Anhängern. Da in Rablinghausen eine Wendeschleife fehlte, mußte dort umgesetzt werden. Hierzu wurden die Beiwagen entkuppelt und die Triebwagen rangierten über Weichen wieder vor den Zug. Auf der Linie 7 konnten daher nur ältere Fahrzeuge, die in beide Richtungen fahren konnten, eingesetzt werden, nicht jedoch die modernen Großraumzüge.

Die "7" galt als volkstümliche Linie und war in Woltmershausen sehr beliebt. Als sie Pfingsten 1965 die letzte Fahrt antrat, fuhr den ganzen Tag über ein bekränzter Zug auf Strecke. Bei der Verabschiedung in Rablinghausen waren unzählige Pusdorfer gekommen und feierten das Ereignis.

Heute gibt es erste Überlegungen, ob die Linie 7 als moderne Verkehrsverbindung langfristig neu aufleben sollte. Dies wäre jedoch ferne Zukunftsmusik.

 

 


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In Findorff


Die Linie 7 in der Findorffer Hemmstraße, Ecke Admiralstraße.
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