Die "Molly" wird 100!
Bremens älteste Straßenbahn ist Baujahr 1900 und wird derzeit für den Einsatz zum 125jährigen Geburtstag der BSAG überholt!
Bremens ältester Straßenbahntriebwagen mit der Nr. 49 feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Das Fahrzeug mit der liebevollen Bezeichnung "Molly" ist Baujahr 1900 und kann sogar noch aus eigener Kraft fahren! Damit er für den Einsatz beim 125jährigen Geburtstag der Bremer Straßenbahn AG Ende März 2001 fit ist, wird der Oldtimer derzeit in den Werkstätten der BSAG in der Bremer Neustadt flott gemacht. Dann muß der Fahrer ihn wie vor 100 Jahren im Stehen und auf offenen Plattformen durch Bremen fahren. Lediglich der Scherenstromabnehmer ist ein Zugeständnis an die heutige Zeit - die originalen Rollenstromabnehmer (Stange) können die heutigen Straßenbahn-Oberleitungen nicht mehr nutzen.
100 Jahre Geschichte - Biografie einer Straßenbahn
In Bremen fuhr die erste elektrische Straßenbahn Europas mit Oberleitung versuchsweise bereits 1890. 1892 folgte dann der elektrische Linienbetrieb. Die ersten "Elektrischen" hatten jedoch noch viele technische Probleme und waren nur kurze Zeit im Einsatz.
Mit der Ausweitung des elektrifizierten Streckennetzes benötigte die Bremer Straßenbahn neue Fahrzeuge. In den Jahren 1900 - 1907 baute sie in der betriebseigenen Waggonbauanstalt in Walle eine Fahrzeugserie mit den Wagen 33 - 179. Diese Fahrzeuge waren zweiachsig, und hatten einen vierfenstrigen Wagenkasten mit 24 Sitzplätzen. Lediglich bei den Fahrgestellen gab es zwei Ausführungen.
Von Anfang an erhielten alle Triebwagen den neuentwickelten Plattformfahrschalter, welcher dem Fahrpersonal erhebliche Erleichterungen brachte, und in Bremen erst 1990 durch eine elektronische Steuerung ersetzt wurde.
In der Technik wurden diese Wagen im Laufe der Jahrzehnte natürlich ständig verbessert. Die letzten waren übrigens bis 1964 und damit ca. 60 Jahre im Einsatz, wenn auch mit erheblichen Veränderungen gegenüber dem Lieferzustand!
Daten und Fakten der "Molly"
Wagennummer: 49 Baujahr: 1900 Hersteller: Waggonbauanstalt Walle der Bremer Straßenbahn AG Eigengewicht: 10,3 to Länge: 9,52 m Breite: 2,05 m Sitzplätze: 24 Stehplätze: 30 2 Fahrmotoren Die Fahrzeuge bekamen zwischen 1911 und 1926 geschlossenen Plattformen (die Molly war 1922 dran) und nach und nach auch stärkere Motoren. Seit dieser Zeit trugen die Fahrzeuge den Namen "Umbauwagen".
In den Jahren 1938 - 1939 erfolgte noch eine Modernisierung von 22 Wagen, wobei das Aussehen der Wagenkästen und die Inneneinrichtung (gepolsterte Sitzbänke) dem aktuellen Stand entsprechend gestaltet wurden. Ein Fahrzeug in diesem Zustand ist mit dem Triebwagen 134, Baujahr 1904, noch fahrfähig vorhanden und auf der Sonderlinie 9 im Einsatz.
1940 ersetzte man die Wagenkästen von 9 Triebwagen durch Neubauten, welche länger und breiter waren. 50 Fahrzeuge der Serie 33 - 179 fielen dem 2. Weltkrieg zum Opfer, die restlichen verkehrten bis in die 60er Jahre im Linienverkehr. Der Wagen 134 überlebte als Fahrschulwagen LW1 sogar bis in die späten siebziger Jahre.
1943 war der Triebwagen 49 im Betriebshof Gröpelingen stationiert und von dort aus wahrscheinlich auf der Linie 8 nach Burg oder der Linie 11 zur Norddeutschen Hütte eingesetzt. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die "Molly" Schäden und fuhr erst
wieder ab 1947 und zwar diesmal vom ehemaligen Betriebshof Haferkamp in Utbremen aus auf den Linien 5, 6, 7 und 16. Ende 1948 verkehrte sie ausschließlich auf der Linie 7 (Rablinghausen - Hartwigstraße) und war wahrscheinlich im Woltmershauser Depot untergebracht.
Nach 50 Dienstjahren immer noch nicht schrottreif!
Als einer der letzten Wagen seiner Serie wurde er im April 1952 abgestellt, also nach über 50 Jahren Einsatzzeit! Er wanderte jedoch nicht auf den Schrott, sondern verkehrte von 1954 bis 1956 als Reklamewagen ohne Fahrgäste.
1962, zum ersten Tag der offenen Tür der neuen Hauptwerkstatt am Flughafendamm, wurde der Tw 49 als erster Museumswagen der BSAG restauriert und in den Zustand von ca. 1908 zurückversetzt. Seitdem ist die liebevoll gepflegte "Molly" nur noch zu besonderen Anlässen im Einsatz und wird auch bei den geplanten Feierlichkeiten zum 125. Geburtstag der BSAG im März 2001 mit dabei sein.
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