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Der Alltag bei der Straßenbahn

16. Mai 2012

Gleisbau bei Nacht im Buntentor


"Es nützt ja nichts, wir müssen fertig werden!"


Nächster Termin: Nacht 16.05./ 17.05.
Zahllose Bauarbeiter in orangener Arbeitskleidung und blaue Funkenregen in der Dunkelheit - das ist der erste Eindruck in der Mainacht auf dem Weg in den Buntentorsteinweg zur Gleisbaustelle der Bremer Straßenbahn AG (BSAG).

Die Bauarbeiter haben Glück: Es ist trocken und mit Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad Celsius genau die richtige Temperatur zum Arbeiten. Aber es könnte auch einen Dauerregen geben und unangenehm kühl werden.

"Es nützt ja nichts, wir müssen fertig werden", erklärt Rolf Westrop, Gleisbauer der BSAG. "Egal, ob es stürmt, schneit oder in Sturzbächen regnet, sobald die letzte Bahn durch ist, legen wir los und morgens muß das Gleis wieder liegen, egal, wie's in der Nacht aussieht."

Er ist seit 20 Jahren im Gleisbau der BSAG beschäftigt und macht seine Arbeit gern, trotz der harten Saisonarbeit.

Man merkt, wie gut die Kolonne eingespielt ist: Jeder weiß, was er zu tun hat und packt zu. Die fertig vorbereiteten Gleise liegen neben den alten abgefahrenen. Die neuen Gleise werden vor Ort zusammengeschweißt. Durch elektrisches Schweißen werden die Gleise ohne Stoß lückenlos zusammengefügt. Bei dem Vorgang gibt es jedesmal gleißend helle, bläuliche Flammen - ein sehr stimmungsvolles Bild in der Dunkelheit. Das früher übliche chemische Schweißverfahren (Thermitverfahren) wird schon seit einigen Jahren nicht mehr angewendet.

"Gott sei Dank haben die meisten Anwohner Verständnis", berichtet Rolf Westrop. "Wir verteilen vorher Handzettel und bereiten die Anlieger auf die Baustelle vor. Es hilft ja nichts, wir können die Arbeiten nur zu dieser Zeit durchführen."

Gegen 21:30 Uhr kommt noch eine Bahn. Ist das nun die letzte? "Jau, Ihr könnt loslegen, es kommt keine mehr". Auch für die Männer der bauausführenden Firma geht jetzt der hektische Teil der Arbeit los. Sofort nach Durchfahrt der Bahn setzt ein geschäftiges Treiben ein. Mit dem Schneidbrenner werden die alten Gleise durchtrennt. An mehreren Punkten wird der Brenner zügig angesetzt, der Sattelzug kommt und ruckzuck ist auch schon das erste Gleisstück abtransportiert.

Die Gleisbaufirma präpariert nun die an den Tagen zuvor vorbereitete Betontragplatte für die neuen Gleise. Gleich im nächsten Arbeitsschritt wird auch schon das erste neue Gleisstück auf die provisorische Holzunterlage gelegt. Das zweite Stück wird von dem kleinen Spezialkran, einem Hydraulikbagger, der sich auch auf Schienen bewegen läßt, hochgehoben und mit Fingerspitzengefühl hin- und herrangiert und schließlich eingepaßt. Endlich liegt es millimetergenau an dem anderen.

"Diese Stelle wird vorerst nicht geschweißt. Die Ausdehnung des Eisens durch die Temperaturschwankungen würde nach dem Kurvenstück in diesem Streckenabschnitt Verheerendes bewirken. Deshalb wird hier eine Schweißfläche zur Schienenausdehnung offen gelassen, das noch Spiel läßt", erläutert Rolf Westrop.

"Erst wenn wir die Gleise endgültig einbetten, wird diese Öffnung geschlossen." Übrigens besteht das "Bett" der Gleise aus einem dauerelastischen Material, das Schwingungen und Geräuschbildung verhindern soll.

Weitere Gleisstücke werden hin- und herrangiert. Der Vorarbeiter ist ständig in Bewegung und dirigiert den Kran. Ein Mitarbeiter schleift bereits die geschweißten Stücke, damit eine glatte Verbindung entsteht. Die dabei entstehenden Funkenregen ergeben ein stimmungsvolles Bild in der Nacht. Es soll ja später alles vermieden werden, was Geräusche beim Befahren durch die Straßenbahn verursachen kann.

Gegen 3:45 Uhr ist es zunächst geschafft: Die erste Straßenbahn der Nachtlinie N11 kommt vom Betriebshof Neustadt hergefahren, um die Fahrgäste in Richtung Arsten zu befördern. Doch die Gleisarbeiten gehen natürlich weiter. Bis Anfang August 2000 muß alles fertig sein.

In der nächsten Baunacht ...

In der Nacht 16. Mai/17.Mai (Di/Mi) werden weitere Gleise erneuert. Die Straßenbahnen der Linien 4, 5 und N11 können jeweils zwischen ca. 21:30 Uhr und 3:30 Uhr im Bereich Leibnizplatz - Huckelriede leider nicht fahren. Ersatzweise setzt die BSAG Busse ein, welche die Haltestellen Gneisenaustraße und Rotes-Kreuz-Krankenhaus stadteinwärts jedoch nicht bedienen können. Die BSAG bittet die Fahrgäste, auf Hinweise an den Haltestellen zu achten. Zwischen Arsten und Huckelriede fahren Straßenbahnen.

 


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