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Geschichte und Archiv

04. Februar 2012

Von der Straßenbahnlinie 8 über den O-Bus zu den heutigen siebziger Linien


Vor hundert Jahren wurde Burglesum mit der Straßenbahn erschlossen

Als die 1879 eröffnete Pferdebahnstrecke in das damalige Dorf Walle um die Jahrhundertwende elektrifiziert wurde, gründeten Grambker ein „Komitee“ für den Bau einer elektrischen Straßenbahn bis nach Burg. Der Leiter dieses Komitees war übrigens Heinrich Smidt von der Dunge, ein Enkel des berühmten Bürgermeisters Heinrich Smidt, der 1827 Bremerhaven gründete. Dieses Engagement führte schnell zum Erfolg, denn die Bremer Straßenbahngesellschaft erhielt schon 1900 vom Senat die Auflage, die Straßenbahnstrecke über Gröpelingen hinaus bis zur Landesgrenze in Burg an der Lesum zu verlängern.

Mit dem Bau wurde 1902 begonnen, am 22. Juli 1903 fand die Eröffnung statt. Die gesamte Strecke zwischen Gröpelin-gen/Lindenhofstraße und Burg war genau 6 Kilometer lang. Sie verlief eingleisig über den Heerstraßenzug, allerdings hieß es statt Heerstraße damals noch Chaussee. Die End-station befand sich kurz vor die Lesumbrücke. Etwa in der Mitte der Trasse, bei der Haltestelle Am Pulverberg, gab es eine einzige Ausweiche.

Die ab 1908 als „Linie 8“ bezeichnete Straßenbahn-Verbindung trug zusätzlich eine grün-weiße Farbscheibe und bediente folgende Haltestellen:

  • Lindenhofstraße (Anschluss von der Linie 2)
  • Gröpelinger Friedhof
  • Schwarzer Weg
  • Farger Straße
  • Polizeiwache
  • Am Fuchsberg
  • Oesselmann
  • Zum grünen Jäger (heute Ritterhuder Heerstraße)
  • Am Pulverberg (Ausweichstelle)
  • Wiehenstraße
  • Grambker Dorfstraße
  • Wilhelmshöhe
  • Grambker Schule
  • Burg, Apotheke
  • Burg (Endstation)

Infolge der Bahneröffnung entstanden in Grambke nicht nur zahlreiche beliebte Ausflugslokale,, die so genannten Etablissements, sondern der Wert von Grund und Boden konnte um das Zehnfache gesteigert werden.




 

Fotogalerie: Von der Straßenbahnlinie 8 über den O-Bus zu den heutigen siebziger Linien

Foto: Triebwagen 40 der ehemaligen Straßenbahnlinie 8
Foto: Triebwagen 40 der ehemaligen Straßenbahnlinie 8
So sah der Betriebshof in Gröpelingen früher aus
Ein O-Bus in der Werkstatt
Ein O-Bus der Linie 8 auf der Lesumbrücke
Henschel-Gelenkbus in den sechziger Jahren
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"Is de annere all dör?"


Zunächst konnte die Linie 8 nur halbstündlich fahren, weil es nur eine Ausweiche gab. Erst nach dem Einbau weiterer Ausweichstellen in Grambke und in Gröpelingen im Jahr 1904 wurde ein viertelstündlicher Betrieb geboten.

Die Ausweichstellen lagen so, dass die Wagen bei einem störungsfreien Betrieb aus beiden Richtungen gleichzeitig ankamen und keine Wartezeiten entstanden. Natürlich kam es manchmal auch zu kleinen Unregelmäßigkeiten. So konnte es passieren dass der Fahrer den Schaffner fragte: „Iss de annere all dör?“ Nicht immer konnte eine genaue Antwort gegeben werden, so dass der Fahrer, wenn ihm die Wartezeit zu lang vorkam, vorsichtig los fuhr. Wenn dann hinter der nächsten Kurve der Gegenzug erschien, hieß es: Zurück!

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Ansturm an Sonntagen


Wie sich bald zeigte, wurde die „8“ in der wärmeren Jahrs-zeit zu einer stark genutzten Ausflugsbahn, mit der man preiswert ins Grüne fahren konnte. Ab 1911 bis 1914 wurde sie daher zunächst sonn- und feiertags bis in die Innenstadt hinein verlängert. Es konnte vorkommen, dass innerhalb von einer viertel Stunde bis zu drei Drei-Wagenzüge und ein einzelner Triebwagen hintereinander abfahren mussten, um den Ansturm zu bewältigen. Die Ausweichen wurden daher verlängert. Wie groß der Ansturm der Fahrgäste auf die Straßenbahn an Wochenenden war, geht zum Beispiel auch daraus hervor, dass manche Fahrgäste, die abends wieder in die Stadt zurückfahren wollten, eine oder zwei Haltestellen vor Burg in den nach Burg fahrenden Zug einstiegen, um an der Endstelle bereits einen Sitzplatz zu ergattern. Sie nahmen dabei sogar in Kauf, zweimal bezahlen zu müssen. In Gröpelingen wurde oft die als Anschluss fahrende Linie 2, die ebenfalls sehr stark besetzt war, fahren gelassen und man wartete auf den nächsten Zug.

Über die tatsächliche Bedeutung der Linie 8 informiert eine Statistik aus dem Jahr 1939: Während auf die Linie 2 fast 5 Millionen Wagenkilometer entfielen (Linie 3: 2.731.000), waren es bei der Linie 8 gerade einmal 644.000 Wagen-Kilometer! Sie war damit die drittschwächste Verbindung im Netz der BSAG.

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Wie geht es weiter?


Als die Bremer Straßenbahn 1926 den neuen Betriebshof am Gröpelinger Friedhof eröffnet wurde, erhielt auch die Linie 8 dort eine Schleife und wurde entsprechend verkürzt. Dafür erfolgte der zweigleisige Ausbau etwa bis zum Diakonissenhaus. Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb die Streckenführung der Linie 8 nun fast unverändert.

Um 1930 wurden auf der Linie 8 anstelle der Rollenstrom-abnehmer so genannte Bügel, also Scherenstromabnehmer, erprobt. Er bewährte sich, so dass ab 1936/37 die übrigen Straßenbahnlinien folgten.

Die Fahrzeit der „8“ für die Fahrt von Gröpelingen bis nach Burg betrug 1934 rund 18 Minuten.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, am 22. April 1945, brach die Stromversorgung zusammen, was den Straßenbahnbetrieb zum Erliegen brachte. Die Wiederinbetriebnahme der Linie 8 konnte erst nach der Genehmigung durch die amerikanische Militärregierung 1946 erfolgen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Bahn schnellstens durch eine Oberleitungs-Buslinie ersetzt würde, da diese den Militärverkehr weniger behindert. Zwischen 25. September 1949 und 6. Oktober 1949 wurde die Linie 8 in zwei Schritten auf den O-Bus umgestellt.

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Elektrische Busse


Nachdem am 6. Oktober 1949 die letzte Straßenbahn ins Depot eingerückt war, begann man sofort mit dem Bau der Oberleitungen für die Busse, so dass der Betrieb am 1. No-vember aufgenommen werden konnte. Die O-Bus-Strecke war 7,1 km lang. Sie überquerte in Burg die Lesum auf einer Behelfsbrücke, verlief weiter auf der Bremer Heerstraße bis zum Kreuzungspunkt Stadt London, von dort weiter auf der Bremerhavener Heerstraße bis zum Abgang Kellerstraße. Dort richtete man eine größere Umsteigeanlage zu den Bus-linien nach Bremen-Nord ein den so genannten „Gummibahnhof“. Insgesamt neun O-Busse mit Anhängern standen zur Verfügung, später 15 Busse und 14 Anhänger.

Bereits 1955 fuhr die Bremen-Norder Buslinie N bis nach Gröpelingen durch. Der O-Bus blieb in Bremen ein Fremd-körper. 1961 waren die Fahrzeuge veraltet und Dieselbusse ersetzten die elektrischen Busse.

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Kehrt die Straßenbahn zurück?


Heute fahren die Busse der Linien 71 und 73 auf der ehemaligen Strecke der Linie 8. Übrigens gibt es seit 1998 wieder eine Straßenbahnlinie 8, die aber mit der alten „8“ nichts zu tun hat.

Der starke Busverkehr im Oslebshauser Heerstraßenzug führt zu der Überlegung, möglicherweise langfristig eine der Gröpelinger Straßenbahnlinien bis nach Burg zu verlängern. Dies bedarf jedoch eingehender Prüfungen.

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