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Gleisbiegen als angewandte Geometrie
Um den Fahrkomfort zu verbessern, werden heute Übergangsbögen (Klotoiden) eingebaut, das sind Kurven mit einem sich allmählich verändernden Radius, damit die Straßenbahn „sanft“ ohne Ruck in den Borgen einfahren kann. Sie stellen hohe Anforderungen an die Biegetechnik und erfordern bei der Herstellung viel Erfahrung und Finger-spitzengefühl.
Die Gleisbiegemaschine befindet sich in einem speziellen Gebäude auf dem Gelände Flughafendamm und wird von Heinz-Günter Sielaff und seinen Mitarbeitern bedient. Als Vorgabe erhält die Mannschaft einen Biegeplan, in dem genau eingezeichnet und angegeben ist, welche geometrischen Maße die fertig gebogene Kurve haben soll.
Vor dem Biegevorgang transportiert ein Bagger die noch gerade Schiene heran und legt den Anfang der Schiene in die Biegemaschine ein. Die Schiene gleitet dann automatisch durch die Maschine mit einer Geschwindigkeit von etwa 0,5 Meter pro Minute hindurch. Dabei wird mit einem enormen Andruck von rund 400 Tonnen ein periodischer Druck auf das Material ausgeübt, so dass der Bogen entsteht. Nach dem Vorgang wird von Heinz-Günter Sielaff und seinen Mitarbeitern gemessen, ob die Maße stimmen. Der Biegevorgang wird in der Regel mehrmals wiederholt, weil die Eigenschaften des Stahls und damit die Formbar-keit von Schiene zu Schiene unterschiedlich sein können. Bei Übergangsbögen werden die einzelnen Abschnitte unterschiedlich häufig gebogen. Als Faustregel gilt: Je häufiger der Biegevorgang wiederholt wird, desto kleiner wird der Radius der Schiene.
Zuletzt wird die innere Schiene eines Gleises, die stärker gebogen ist als die äußere, längen mäßig an die äußere angepasst, das heißt gekürzt. Denn die äußere Schiene ei-ner Kurve ist länger als die innere. Ist eine Schiene korrekt gebogen, wird sie mit einem Bagger zum Montageplatz transportiert. Dort entsteht aus zwei Schienen und den Abstandshaltern (Spurstangen; sie sor-gen für den korrekten und stabilen Abstand der beiden Schienen eines Gleises mit einem Wert von 1435 mm) das spätere Gleis. Um die Spurstangen montieren zu können, müssen zuvor jedoch teilweise noch seitliche Löcher in die Schienen gebohrt werden. Dann steht einer Montage und abschließendem Abtransport zur Baustelle nicht mehr im Wege.
Heinz-Günter Sielaff abschließend: „Unsere Biegemaschine ist unverwüstlich und wird uns hoffentlich noch lange Dienste leisten. Der Biegevorgang erfordert viel Kraft, Erfahrung und Präzision. Im Gegensatz zur heute weit verbreite-ten Elektronik herrscht bei uns kraftvolle Mechanik vor.“
Übrigens: Die BSAG hat in der letzten Zeit häufiger für andere Unternehmen auf Rechnung Schienen gebogen.
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