Die Geschichte der Bremer Straßenbahn



Am 28.03.1876 findet die konstituierende Generalversammlung der "Actiengesellschaft Bremer Pferdebahn" statt. Am 05.04.1876 billigt die Bremer Bürgerschaft den Bau der Strecke vom Heerdenthore zur Horner Brücke. Bereits am 19.04.1876 wird mit dem Bau begonnen und schon am 04.06.1876 geht der Abschnitt Heerdenthore - Vahrster Brücke (an der heutigen Bürgermeister-Spitta-Allee) in Betrieb. Am 01.12.1877 wird der Betrieb zur Horner Brücke verlängert.

Pferdebahnwagen 27 der Großen Bremer Pferdebahn

Am 03.11.1879 nimmt die "Große Bremer Pferdebahn" den Betrieb auf der Linie Walle - Hastedt auf. Es folgen die Strecken Markt - Kirchweg, die Ringbahn und die Strecke Kaiserstraße - Bahnhof - Am Dobben - Markt - Nordstraße. Unterdessen verlängert die Bremer Pferdebahn ihre Strecke Horn - Herdentor zur Börse. Beide Gesellschaften erweitern in den folgenden Jahren ihr Netz. Die einzelnen Eröffnungsdaten und die späteren Änderungen in der Linienführung finden Sie in der Drucksache "Straßenbahn-Linienchronik".

TW 33 der Ausstellungsbahn - am Bürgerpark

Am 22.06.1890 nimmt die Bremer Pferdebahn, auf der Strecke Börse - Bürgerpark, Europas erste elektrische Straßenbahn mit Oberleitung in Betrieb. Sie wurde eigens für die Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrieausstellung aufgebaut. Die Bremer Pferdebahn elektrifiziert ihr Netz in den folgenden Jahren und gibt sich 1891 den neuen Namen "Bremer Straßenbahn". 1899 kommt es zu einem Vertrag zwischen der Bremer Straßenbahn und der Tramways Union Company Limited (London), der die Große Bremer Pferdebahn gehört. Er regelt die Übernahme der Großen Bremer Pferdebahn, der zuvor die Elektrifizierung ihrer Strecken untersagt worden war, durch die Bremer Straßenbahn zum 30.06.1899. Es folgt die Elektrifizierung der neu hinzu gekommenen Strecken.

1907 bekommt der Hauptbahnhof seine erste zentrale Umsteigestelle. Im Jahr darauf werden Linien-Nummern eingeführt. Die bis dahin üblichen Farbscheiben zur Linienkennzeichnung bleiben aber zunächst in Gebrauch und werden erst 1946 abgeschafft.

Hauptbahnhof

Am 01.06.1914 wird die O-Busstrecke Arsten - Arsterdamm von der Gesellschaft "Gleislose Lloydbahnen Köhlers Bahnpatente GmbH" übernommen. Am 19.06.1914 geht die Bremer Vorortbahnen GmbH (BVG) aus der Studiengesellschaft für Vorortbahnen GmbH hervor. 1924 beginnt diese Gesellschaft mit dem Linienbusbetrieb in den Bremer Vororten.

Aus kriegsbedingtem Mangel an männlichem Personal werden am 25.09.1916 erstmalig Frauen im Fahrdienst eingestellt. Nach dem Ende des Krieges wird diese Maßnahme allerdings rückgängig gemacht.

Bth. Groepelingen kurz nach der Inbetriebnahme

1923 wird am Hauptbahnhof die erste elektrische Weiche installiert. Am 28.03.1926 werden die neuen Betriebshöfe Gröpelingen und Sebaldsbrück eröffnet. Die Bremer Straßenbahn entscheidet sich, ihre Fahrzeuge von Rollen- auf Scherenstromabnehmer umzurüsten. Zunächst erprobt man diese Technik ab 1926 auf den Linien 8 und 11, bevor ab Mitte der dreißiger Jahre die Umstellung aller Linien beginnt. Sie wird am 22.11.1937 abgeschlossen. Während des 2. Weltkriegs kommt es zu verheerenden Zerstörungen. Zahlreiche Linien müssen aus Personal- und Fahrzeugmangel eingestellt oder ausgedünnt werden.

TW 265 mit Lazarettwagen wartet am Bürgerpark (Mitte 40er Jahre) - Foto: Mester

Ab dem 22. April 1945 ruht der Verkehr völlig und wird im Laufe der folgenden Jahre nach und nach wieder aufgenommen. Am 01.11.1949 wird die Linie 8 (Gröpelingen - Burg) auf O-Busbetrieb und am 06.11.1961 vom O-Bus auf Busbetrieb umgestellt. Zum 01.01.1953 übernimmt die Bremer Straßenbahn AG den Linienbusbetrieb der BVG. Die BVG beschränkt sich fortan auf den Reisebusdienst. Der Betriebshof Neue Vahr wird am 07.11.1960 seiner Bestimmung übergeben. Die ersten Bauabschnitte des Betriebshofes Neustadt (Flughafendamm) werden am 05.11.1962 eingeweiht, nachdem auf dem Areal der alten Abstellanlage Neuenlande bereits 1959 die neue Hauptwerkstatt errichtet wurde. 1965 ergänzt das neue Verwaltungsgebäude den Komplex.
Am 01.11.1965 wird der Gemeinschaftstarif DB / BSAG eingeführt, ein erster Anfang für den VBN (Verkehrsverbund Bremen / Niedersachsen) war gemacht.

Vor dem Betriebshof Woltmershausen, ca. 1965

Die sechziger und frühen siebziger Jahre stehen im Zeichen der Einstellung einer Vielzahl von Straßenbahnlinien. Die Stadtteile Findorff, Woltmershausen und Horn sind nach der Umstellung der Linien 4, 5, 6 und 7 nur noch mit dem Bus zu erreichen.

TW206 auf der Linie 11  -  9/65

Auch die Linie 11 zu den Klöckner-Werken wird durch eine Buslinie ersetzt. Dennoch erfolgt in dieser Zeit erstmals auch wieder der Neubau größerer Streckenabschnitte. Im Juni 1967 nimmt die Stadtbahnlinie 1 ihren Betrieb auf, zunächst bis Blockdiek, ein Jahr später auch bis Osterholz. 1973 wird sie auf der Neustadtseite nach Arsten erweitert.

Zwischen dem 15.01.1968 und dem 24.01.1968 kommt es zu Studentenprotesten gegen die Fahrpreiserhöhung - mit Erfolg, die Erhöhung wird zurückgenommen, den Verlust gleicht der Bremer Senat aus.

Ehem. Betriebshof 8 (Rönnebeck) in den 60er - Jahren

Nach dem der alte Betriebshof Rönnebeck in der Dillener Straße zu klein ist , wird am 03.10.1975 der neue Busbetriebshof in Blumenthal in der Ermlandstraße eröffnet.
Die vorläufig letzte Streckeneröffnung stellt die Linie 6 nach Huchting dar, die zum Winterfahrplan 1976 eingeweiht wird.

TW 928 (Ackerwagen) vor dem Rathaus

Bis in die neunziger Jahre hinein findet nun eine durchgreifende Erneuerung des Fahrzeugparks statt, der bis 1970 die letzten Zweiachser, bis 1977 die "Ackerwagen" (dreiachsige Gelenktriebwagen in Sattelschlepperbauweise), ...

TW811 am 11.08.1969 in Gröpelingen

... 1990 die Großraumwagen ...

Hansa-Kurzgelenkwagen TW411 verläßt 1963 die Endhaltestelle Georg-Bitter-Straße

... und 1997 die Hansa-Kurzgelenkwagen der sechziger Jahre zum Opfer fallen.

Wegmann-Stadtbahnwagen TW561 am Hbf (1983)

Damit besteht der Fahrzeugpark heute nur noch aus den Wegmann-Stadtbahnwagen der Baujahre 1973 bis 1978, ...

TW 3051 am Hauptbahnhof

... den 1993 bis 1996 gelieferten achtachsigen Niederflurwagen (GT8N) und ...

Roll-Out GT8N-1

... den ab 2006 gelieferten Niederflurwagen (GT8N-1) .

Der Busbestand wird in der Zeit von 1988 bis 1998 vollständig auf Niederflurfahrzeuge umgestellt.

Auch der Streckenausbau geht seit Mitte der neunziger Jahre voran. 1998 können die Anbindung der Universität und des Flughafens eingeweiht werden, außerdem geht der erste Bauabschnitt der Linie 4 bis Horn-Lehe in Betrieb. Im gleichen Jahr wird diese Linie auf der anderen Seite bis nach Arsten-Südwest verlängert.
Am 24. März 2001 folgte die (Wieder)eröffnung der Strecke durch die Oster-/Westerstraße (zunächst mit Linien 5 und 8, ab 4. November 2002 nur noch Linie 8) Als Nikolausgeschenk konnte im Dezember 2002 die Linie 4 bis Borgfeld verlängert werden. Knapp zwei Jahre später wure am 2. Dezember 2006 durch die Eröffnung der "Hafenstraßenbahn" die Überseestadt an das Netz der Bremer Straßenbahn angeschlossen. Als Besonderheit befindet sich hier ein Vier-Schienen-Gleis für die Straßenbahn und Hafenbahn, um beide Verkehrsträger baulich voneinander getrennt zu halten.

Eröffnung der Hafen-Straßen-Bahn